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Vergewaltigt, Blatt 2 aus dem Zyklus »Bauernkrieg«, 1907/08

Käthe Kollwitz, Vergewaltigt, Blatt 2 aus dem Zyklus »Bauernkrieg«, 1907/08, Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel, Reservage und Vernis mou mit Durchdruck von Stoff und Zieglerschem Umdruckpapier, 308 x 528 mm, Kn 101 V a, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/84019.
Käthe Kollwitz, Vergewaltigt, Blatt 2 aus dem Zyklus »Bauernkrieg«, 1907/08, Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel, Reservage und Vernis mou mit Durchdruck von Stoff und Zieglerschem Umdruckpapier, 308 x 528 mm, Kn 101 V a, Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70300/84019.

Auch die zweite Station in der Bilderzählung dient dazu, dem Betrachter in einer emotionalen Steigerung die Notwendigkeit für eine Veränderung der Verhältnisse zu verdeutlichen. Die Bauern sind recht- und schutzlos und somit jeglicher Willkür ausgeliefert. Dies veranschaulicht das zweite Blatt des Zyklus auf drastische Weise. Es zeigt eine in ihrem verwüsteten Garten liegende vergewaltigte Bäuerin. Ihre kleine Tochter schaut über den Gartenzaun auf ihre geschändete und getötete Mutter. Auffallend bei der Behandlung des Themas, das sich um 1900 nur selten in der bildenden Kunst findet, sind die schonungslose Darstellung des Opfers und die genaue Wiedergabe des Gartens. Die niedergetrampelten Pflanzen stehen symbolisch für das zerstörte Leben der Frau.

Nun ist wirklich alles Leben zum Erliegen gekommen. Rücksichtslos berauben die Lehnsherren die Bauern und ihre Frauen der menschlichen Würde und hinterlassen Tod und Zerstörung. Das muss unausweichlich Empörung beim Betrachter hervorrufen. Beeindruckend ist dabei die Tatsache, dass Käthe Kollwitz als Frau im konservativen Kaiserreich den Mut und das Selbstbewusstsein hat, ein solches Motiv in dieser Art umzusetzen.

Eine frühe Kompositionsskizze, die Zeichnung NT (443a), behandelt das Thema viel erzählerischer. Vor der getöteten Bauersfrau stehen ihre beiden Töchter. Die ältere schaut durch die Öffnung einer eingeschlagenen, schief in den Angeln hängenden Tür ins Innere des Hauses, während die Jüngere sich ängstlich an ihre Schwester drückt und entsetzt auf ihre Mutter blickt.

Wie schon bei den »Pflügern« konzentriert sich Käthe Kollwitz bei der endgültigen Fassung auf die Hauptfigur und rückt sie ins Zentrum der Darstellu

Ideenskizze

Käthe Kollwitz, Studie zu »Vergewaltigt«, um 1901, Bleistift auf Bütten, 440 x 581 mm, NT (443a), Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70200/15003.
Käthe Kollwitz, Studie zu »Vergewaltigt«, um 1901, Bleistift auf Bütten, 440 x 581 mm, NT (443a), Kollwitz Museum Köln, Inv. Nr. 70200/15003.