Von den ca. 100 gezeichneten Aktdarstellungen der Künstlerin entsteht der Großteil während ihrer Studienzeit bis 1890 und später in den Jahren 1904–06 bzw. 1910–12. Noch während der Arbeit am Bauernkriegszyklus, 1904, beginnt die Künstlerin sich mehrere Monate lang in Paris an der Académie Julian mit den Grundlagen der Plastik vertraut zu machen. Hierfür zeichnet sie als Vorbereitung intensiv Aktstudien. Nach Abschluss des Bauernkriegszyklus 1908 findet Käthe Kollwitz Zeit für erste plastische Versuche.
Über die Aktdarstellungen hinaus haben sich mehrere Darstellungen von Liebespaaren erhalten. Unter diesen Zeichnungen finden sich einige erotische Liebesszenen, die zu den so genannten ›Secreta‹ zählen, welche Käthe Kollwitz der Öffentlichkeit zu Lebzeiten nie zeigt. 1920 äußert sich die Künstlerin über diese kleine Werkgruppe in ihrem Tagebuch:
Ich hab meine Mappen noch einmal durchgesehn. Sehr, sehr viel Schlechtes und Mittelmäßiges. Erst die Mappe zu Tod II hatte noch schöne Blätter. Und natürlich die Secreta, aber die verkaufe ich nicht und zeige auch nicht. Ich weiß nicht, was mit denen nach meinem Tod geschehen soll.«
Mehrfach in ihrem Leben sichtet die Künstlerin ihre Zeichnungen und vernichtet dabei auch immer wieder Arbeiten, nicht aber die ›Secreta‹, die sie selbst vom künstlerischen Standpunkt schätzt.