Käthe Kollwitz (1867–1945)

Frau mit totem Kind, 1903

Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel sowie Vernis mou mit Durchdruck von geripptem Bütten und Zieglerschem Umdruckpapier, Kn 81 VIII a

Über das Werk

Mit monumentaler Wucht manifestiert sich in diesem Werk die pure Mutterliebe. Kaum passen die plastisch ausgeformten Körper in den vorgesehenen Bildraum. Die nackte, archaisch anmutende Frauengestalt presst den leblosen Sohn an sich, mit beinahe animalischem Instinkt. Ihr Schmerz über den Verlust ist deutlich spürbar. Käthe Kollwitz entwickelte das Motiv im Zuge ihrer Arbeit am Zyklus »Bauernkrieg«. Letztlich entschied sie, das Blatt gesondert zu veröffentlichen und experimentierte mit verschiedenfarbigen Hintergründen

Das sagt Käthe Kollwitz

Käthe Kollwitz schreibt 1925 an den Theologen und Schriftsteller Arthur Bonus (1864–1941), mit dem sie freundschaftlich eng verbunden ist:

»Als er [Peter] sieben Jahr alt war und ich die Radierung machte: Die Frau mit dem toten Kind, zeichnete ich mich selbst, ihn im Arm haltend, im Spiegel. Das war sehr anstrengend, und ich mußte stöhnen. Da sagte sein Kinderstimmchen tröstend: Sei man still, Mutter, es wird auch sehr schön...«

Was sonst noch interessant ist

Beate Bonus-Jeep (1865-1954)

Beate Bonus-Jeep schreibt in ihrem Buch »Sechzig Jahre Freundschaft mit Käthe Kollwitz« 1948 rückblickend über die Radierung:

»Wie das Erlebnis mit Hans ihr an die Wurzeln gegangen sein mußte, hatte früher schon eins ihrer Blätter mit erschreckender Wucht ausgesprochen. Die Radierung begegnete mir während unserer Dresdner Zeit unerwartet in der großen Ausstellung. Eine Mutter, tierhaft, nackt, den lichtfarbenen Leib ihres toten Kindes zwischen Schenkeln und Armen, sucht mit den Augen, mit den Lippen, mit dem Atem das entwichene Leben wieder in sich zurückzuschlingen, das einstmals ihrem Schoße angehörte. – Als ich das Blatt zu Gesicht bekam, hatten wir durch Zufall eine ganze Weile nichts voneinander gehört. Ich stand auf der Ausstellung plötzlich der Radierung gegenüber und wandte mich schnell aus dem Saal, um mich nur wieder in Fassung zu bringen: ›Kann mit dem kleinen Peter etwas geschehn sein, daß sie etwas so Furchtbares macht?‹ - Nein! Es war die Leidenschaft selber, die Gewalt, die sonst verhalten im Muttertier schläft, die sich hier dem Auge preisgab, von Käthe Kollwitz gebannt als von jemand, dem der Griff unter letzte Hüllen freigegeben ist.«