Die Bildhauerin Louise Stomps (1900–1988) führte ein kompromisslos eigenständiges Leben als Künstlerin. Ihr Werk kreist um existenzielle Erfahrungen wie Liebe, Trauer, Hoffnung und Verlust. Ausgehend von der klassischen Moderne entwickelte sie eine Formensprache, die sich behutsam von der Figur löste – der Mensch blieb aber auch in ihren zunehmend abstrakten Arbeiten stets zentraler Bezugspunkt.
Das Kollwitz Museum Köln widmet dieser herausragenden und zu Unrecht lange Zeit nur selten ausgestellten Künstlerin nun eine umfassende Retrospektive mit rund 45 Skulpturen und 30 Papierarbeiten aus ihrem Nachlass sowie aus öffentlichen und privaten Sammlungen.
Es sind Linie, Form, Ausdruck — gefangen im menschlichen Urbild —, mit denen ich zu bilden suche, was ich zu sagen habe!«
Louise Stomps, 1947
Louise Stomps, Das Paar I, 1937,
Eiche, H 45 cm, Berlinische Galerie
© Nachlass Louise Stomps
Figur und Ausdruck
Während der Weimarer Republik erhält Stomps ihre Ausbildung in Berlin. Bereits bei ihren frühen Skulpturen in Holz, Gips und Stein interessiert sie weniger das naturgetreue Abbild als die Frage, wie innere Bewegung und Spannung in eine reduzierte Form übersetzt werden können. Parallel entstehen erste grafische Arbeiten, in denen sie Linie und Fläche als eigenständige Ausdrucksmittel erprobt.
Widerstand, Verlust und Neubeginn
Aus politischer Überzeugung zieht sich Stomps während der NS-Zeit aus der Öffentlichkeit zurück. Nachdem 1936 Werke von Kollwitz und Barlach aus Ausstellungen entfernt werden, sieht auch sie sich und ihre Kunst nicht länger als Teil des Kulturbetriebs und stellt nicht mehr aus.
Bombenangriffe zerstören 1943 Wohnung, Atelier und den Großteil ihres bisherigen Œuvres.
Nach 1945 findet sie durch ihre eindringlichen Figuren eine neue Sprache für Kriegserfahrung, Verlust und Trauer. Stomps erfährt neue Beachtung im Berliner Kunstbetrieb – Ausstellungen und Auszeichnungen folgen.
Die Hauptsache ist nicht die äußere Gestalt, sondern das Innere,
das Seelische.«
Louise Stomps, 1987
Louise Stomps in ihrer Werkstatt in der Kumpfmühle
bei Rechtmehring, 1987, Foto: Amrei-Marie
Neue Freiheit
1960 erwirbt Stomps eine alte Wassermühle in Oberbayern und schafft dort überlebensgroße Holzskulpturen. Sie folgt nun dem Material selbst: Wuchs, Maserung und Astlöcher werden zu Impulsgebern der Form.
Unabhängig bleibt sie auch hier – mit dem Motorrad durchquert sie bis ins hohe Alter das bayerische Land bis nach Italien. Diese Freiheit spiegelt sich auch in ihrem Spätwerk wider: Organische Formen rücken in den Fokus ihrer skulpturalen Arbeiten ebenso wie ihrer Tusche- und Kugelschreiberzeichnungen
Nach der ersten Retrospektive des Vereins DAS VERBORGENE MUSEUM in der Berlinischen Galerie 2021 macht das Kollwitz Museum Köln diese wichtige Bildhauerin des 20. Jahrhunderts nun erneut sichtbar – in teils großformatigen Arbeiten aus Stein und Holz, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie in einer eigens für die Ausstellung produzierten filmischen Dokumentation.