Der neue SIMPLICISSIMUS. Satire für die Bonner Republik
1. Juli - 3. Oktober 2022

Der neue
SIMPLICISSMUS

Satire für die Bonner Republik

Wie ein Phönix aus der Asche erscheint im Nachkriegsdeutschland die Wochenzeitschrift SIMPLICISSIMUS neu und liefert in Wort und Bild kritische Kommentare und vergnügliche Glossen zu Sitten und Unsitten, Hoffnungen und Ängsten der jungen Bundesrepublik. Vom 1. Juli bis 3. Oktober 2022 steht das bekannteste Satireblatt der Wirtschaftswunderjahre nun im Fokus einer Sonderausstellung. Titelblätter, Zeichnungen und Lithographien aus den Jahren 1954 bis 1967 entführen in eine noch gar nicht so lang vergangene Epoche – und weisen auf Parallelen zum heutigen Weltgeschehen.

Schon im Wilhelminischen Kaiserreich nahm der SIMPLICISSIMUS mit Witz und Schärfe politisch-gesellschaftliche Missstände aufs Korn. Manchen galt die Zeitschrift mit dem bissigen Wappentier, der roten Bulldogge, sogar als die »einzige echte Opposition« jener Epoche. Zu den Künstlern, die damals Bildmotive beitrugen, zählt auch Käthe Kollwitz.

Nach dem Ersten Weltkrieg ist das Blatt jedoch wechselhaften Schicksalen unterworfen: Gleichgeschaltet und gezähmt geht der SIMPLICISSIMUS im September 1944 schließlich an banaler Papierknappheit zugrunde.

Der rote Hund beißt wieder zu

Die erste Ausgabe des neuen SIMPLICISSMUS, Jg. 1954, Nr. 1, 9. Oktober 1954, Titelgrafik »Gott mit euch!« von H.M.-Brockmann
Die erste Ausgabe des neuen SIMPLICISSMUS,
Jg. 1954, Nr. 1, 9.10.1954

In den 1950er Jahren – zur Zeit des Kalten Krieges, der deutschen Teilung und des Wirtschaftswunders – lässt eine frische Riege von Journalisten die kritische Tradition unter dem berühmten Titel wiederaufleben. Bevorzugtes Ziel: die Protagonisten des Ost-West-Konflikts und die Politik Konrad Adenauers in europäischen und in innerdeutschen Fragen. Aber auch der »deutsche Michel« selbst muss sich Schmähkritik gefallen lassen.

Wiederum sind es vor allem die Zeichner, die dem Blatt ein prägnantes Gesicht verleihen – sowohl bereits bekannte Matadore wie A. Paul Weber, aber auch neue Künstler wie Hanns Erich Köhler oder H.M.-Brockmann liefern Beiträge mit Biss. Erneut heißt es Angriff! Bald schon wird die rote Dogge von Politikern und anderen Spitzen der Gesellschaft wieder gefürchtet – und von seinen Leserinnen und Lesern gefeiert.

Beim Blick in den satirischen Zerrspiegel jener Jahre erscheinen die alten sozialkritischen Themen und politischen Spannungen vor dem Hintergrund gegenwärtiger Entwicklungen erschreckend aktuell.

Kuratiert von Dr. Uwe Westfehling und Katharina Koselleck.
Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm mit Führungen, Film und Vortrag sowie mit Workshops für Erwachsene und Kinder begleitet.

Galerie

Th. Th. Heine, DIE ROTE DOGGE, das Wappentier des Simplicissimus, entworfen 1896
Henry Meyer-Brockmann, DER SIMPL-HUND, Simplicissimus, Jg. 1955, Nr. 2, 8.2.1955
Hanns Erich Köhler, CONTRA!, 1954, Tusche/Feder, Deckweiß, aquarelliert © Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover
Henry Meyer-Brockmann, GOTT MIT EUCH!, Simplicissimus, Jg. 1954, Nr. 1, 9.10.1954
Hanns Erich Köhler, DYNASTIE ADENAUER AUSGERUFEN, 1955, Simplicissimus, Jg. 1955, Nr. 14, 1.4.1955
Hanns Erich Köhler, DYNASTIE ADENAUER AUSGERUFEN, 1955, Tusche, Feder und Pinsel, Deckweiß, aquarelliert © Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover. Veröffentlicht im Simplicissimus, Jg. 1955, Nr. 14, 1.4.1955
Henry Meyer-Brockmann, DAS VETO DER BOMBE, Simplicissimus, Jg. 1956, Nr. 20, 19.5.1956
A. Paul Weber, RÜCKGRAT RAUS, 1951/1960, Lithographie, © A. Paul Weber-Museum, Ratzeburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2022. Veröffentlicht im Simplicissimus, Nr. 3, 30.10.1954
A. Paul Weber, NUN REDE, WENN DU KANNST, 1957, Lithographie © A. Paul Weber-Museum, Ratzeburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2022. Veröffentlicht im Simplicissimus, Jg. 1957, Nr. 31, 3.8.1957
Manfred Oesterle, BERLIN BLEIBT DOCH BERLIN, Simplicissimus, Jg. 1958, Nr. 49, 6.12.1958
Manfred Oesterle, CHEZ CHARLES, Simplicissimus, Jg. 1959, Nr. 37, S. 548, 12.9.1959
Manfred Oesterle, ICH BLEIBE, WIE ICH BIN, 1959, Feder laviert © Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover. Veröffentlicht im Simplicissimus, Jg. 1959, Nr. 41, 10.10.1959
Wigg Siegl, UNSER TÄGLICH BROT GIB UNS HEUTE!, Simplicissimus, Jg. 1961, Nr. 3, S. 42, 4.1.1961
Henry Meyer-Brockmann, SPRUNG INS NEUE JAHR, Simplicissimus, Jg. 1961, Nr. 53, 31.12.1961
Manfred Oesterle, KLEINEUROPÄISCHES FREUNDESPAAR, Simplicissimus, Jg. 1963, Nr. 11, 16.3.1963

FÜHRUNGEN UND VERANSTALTUNGEN

Sonn- u. Feiertage

15 Uhr

Donnerstag

17 Uhr

1. Do im Monat

17 u. 19 Uhr

Kosten: nur Eintritt

Öffentliche Führungen

Der neue SIMPLICISSIMUS.
Satire für die Bonner Republik


Unsere Kunstvermittler:innen führen Sie zu den Highlights der Ausstellung und machen Sie mit Hintergründen und Zusammenhängen vertraut.
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Freitag

8.7.2022

17 Uhr

Kosten: nur Eintritt

EXTRA-FÜHRUNG AM 155. GEBURTSTAG VON KÄTHE KOLLWITZ

Direktorinnen-Führung mit Katharina Koselleck


Seit April 2022 ist Katharina Koselleck die neue Direktorin des Käthe Kollwitz Museum Köln. Am Geburtstag unserer Künstlerin laden wir Sie ein, die Kunsthistorikerin kennen zu lernen: In einer öffentlichen Führung durch die Sammlung und die aktuelle Sonderausstellung »Der neue Simplicissimus – Satire für die Bonner Republik« steht sie Ihren Fragen Rede und Antwort!

Mittwoch

24.8.2022

18.30 Uhr

Kosten: 9 € / erm. 6 €

TALK IM FORUM 

Der rote Hund in Krieg und Frieden.
Satire vom Kaiserreich bis zur Bonner Republik


Vortrag von Dr. Uwe Westfehling
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Sonntag

18.9.2022

11.30 Uhr

Kosten: nur Eintritt

EXTRA-FÜHRUNG In der Ausstellung

Kuratoren-Führung mit Dr. Uwe Westfehling


Schon im Kaiserreich nimmt die Wochenzeitschrift SIMPLICISSIMUS mit Witz und Schärfe politisch-gesellschaftliche Missstände aufs Korn. Vom Ersten Weltkrieg an jedoch, als sie sich dem patriotischen Zeitgeist anpasst, ist das Satireblatt mit dem bissigen Wappentier, der roten Bulldogge, wechselhaften Schicksalen unterworfen. Die 20er Jahre bringen zwar den alten Geist zurück, unter dem NS-Regime, gleichgeschaltet und gezähmt, geht die Zeitschrift 1944 schließlich an banaler Papierknappheit zugrunde. Im Nachkriegsdeutschland erscheint der SIMPLICISSIMUS aber neu und liefert in Wort und Bild wieder kritische Kommentare und vergnügliche Glossen zu Sitten und Unsitten, Hoffnungen und Ängsten der jungen Bundesrepublik.
Dr. Uwe Westfehling ist intensiv interessiert an diesem wiedererstandenen SIMPLICISSIMUS. Mit seiner Führung durch die von ihm kuratierte Ausstellung stellt Ihnen der Kunsthistoriker seine Highlights vor und steht Ihren Fragen Rede und Antwort.

Mittwoch

21.9.2022

18.30 Uhr

Kosten: 9 € / erm. 6 €

Film im Forum

Das Mädchen Rosemarie


Sozialkritischer Spielfilm | D 1958 | 101 min. | Regie: Rolf Thiele | u.a. mit Nadja Tiller, Peter van Eyck, Carl Raddatz,  Gert Fröbe und Mario Adorf | Roxy Film
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Montag

3.10.2022

11.30 Uhr

Kosten: 10 €
Anmeldung: bis 30.9.2022 unter museum@kollwitz.de

EXTRA-FÜHRUNG AM TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT - DEM LETZTEN TAG DER AUSSTELUNG

1000 Meter deutsche Geschichte


Auf der kurzen Distanz von nur etwa 1000 Metern Wegstrecke lässt sich in der Kölner Innenstadt ein dramatisches Stück deutscher Zeitgeschichte anhand von beeindruckenden Kunstwerken nachvollziehen. Am letzten Tag der Sonderausstellung »Der neue Simplicissimus – Satire für die Bonner Republik« führt nach einem Rundgang in der Schau ein Stadtspaziergang zum Bronze-Denkmal Konrad Adenauers von Hans Wimmer und Gerd Weiland vor St. Aposteln und weiter zum »Schwebenden« von Ernst Barlach in der Antoniter-Kirche.
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Adresse

Käthe Kollwitz Museum Köln

Neumarkt 18-24 / Neumarkt Passage

50667 Köln

+49 (0)221 227 2899

+49 (0)221 227 2602

Öffnungszeiten

Di bis So

11 - 18 Uhr

Feiertage

11 - 18 Uhr

Erster Do im Monat

11 - 20 Uhr

Montags

geschlossen

Bitte beachten Sie

Der Museumsbesuch ist für alle ohne Covid 19-bedingte Einschränkung möglich.

Wir empfehlen jedoch während Ihres Aufenthalts im Museum und bei unseren Veranstaltungen eine medizinische Maske zu tragen und auch weiterhin die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten.

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